Lieferantenqualifizierung ist der Prozess, mit dem ein Unternehmen prüft und nachweist, dass ein Lieferant ein bestimmtes Teil oder eine Leistung in der geforderten Qualität, Menge und Termintreue liefern kann. Sie endet nicht mit der Auswahl, sondern mit der Freigabe des konkreten Teils aus dem Serienprozess.
Die typischen Schritte
Bedarf und Anforderungen: technische Spezifikation, Stückzahlen, Qualitäts- und Zertifizierungsanforderungen, Region.
Marktrecherche und Vorauswahl: Longlist möglicher Lieferanten, Reduzierung auf eine Shortlist nach Verfahren, Kapazität und Referenzen.
Selbstauskunft: Fragebogen zu Organisation, Zertifikaten (z. B. ISO 9001, IATF 16949, ISO 14001), Kapazitäten, Finanzlage und Unterlieferanten.
Potenzialanalyse oder Audit: Bewertung vor Ort. Im Automobilumfeld verbreitet sind die Potenzialanalyse und das Prozessaudit nach VDA 6.3.
Angebot, Vereinbarungen: u. a. Qualitätssicherungsvereinbarung (QSV), Liefer- und Logistikvereinbarungen, Geheimhaltung.
Muster und Freigabe: Erstmusterprüfung und Freigabe von Produkt und Prozess (z. B. PPAP oder PPF nach VDA Band 2).
Nach der Freigabe: Lieferantenbewertung
Qualifizierung ist kein einmaliger Akt. Laufende Lieferantenbewertung betrachtet typischerweise Qualität (Reklamationen, ppm), Liefertreue, Reaktionsfähigkeit und Kosten. Abweichungen führen zu Maßnahmenplänen oder Requalifizierung.
Second Source und Risiko
Für kritische Teile wird oft ein zweiter Lieferant qualifiziert. Das senkt das Ausfallrisiko, kostet aber zusätzliche Qualifizierungs- und häufig Werkzeugkosten. Bei der Risikobewertung zählen auch die Unterlieferanten: Ein qualifizierter Lieferant mit einer einzigen kritischen Materialquelle verlagert das Risiko nur eine Stufe nach hinten.
Rechtliche und weitere Anforderungen
Je nach Unternehmensgröße und Branche kommen Sorgfaltspflichten in der Lieferkette hinzu (in Deutschland das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, auf EU-Ebene die Richtlinie über Nachhaltigkeitspflichten), Exportkontrolle sowie Informationssicherheit, im Automobilumfeld häufig nachgewiesen über TISAX.
Häufige Fragen
Was ist ein VDA-6.3-Audit?
Ein Prozessaudit nach dem VDA-Band 6.3, das Produktentstehungs- und Serienprozesse eines Lieferanten anhand eines standardisierten Fragenkatalogs bewertet.
Was ist eine Qualitätssicherungsvereinbarung?
Ein Vertrag, der Qualitätsanforderungen, Prüfungen, Verantwortlichkeiten und das Vorgehen bei Abweichungen zwischen Kunde und Lieferant festlegt.
Wann lohnt sich eine Second Source?
Bei Teilen, deren Ausfall die eigene Produktion stoppen würde und für die es keinen kurzfristigen Ersatz gibt. Abzuwägen sind zusätzliche Qualifizierungs- und Werkzeugkosten.