Eine Machbarkeitsstudie prüft vor einer größeren Investition, ob ein Vorhaben technisch umsetzbar, wirtschaftlich sinnvoll, rechtlich zulässig und organisatorisch zu stemmen ist. Sie endet mit einer Empfehlung: umsetzen, anpassen oder verwerfen. In Industrieprojekten steht oft die technische Machbarkeit im Vordergrund, etwa ob sich ein Prototyp in Serie fertigen lässt, doch eine belastbare Studie betrachtet alle vier Dimensionen.
Die vier Dimensionen
| Dimension | Leitfragen |
|---|---|
| Technisch | Funktioniert die Lösung? Ist sie mit verfügbaren Verfahren, Werkzeugen und Lieferanten herstellbar? Wo liegen Reifegrad (TRL/MRL) und Risiken? |
| Wirtschaftlich | Wie groß sind Markt und Zahlungsbereitschaft? Was kosten Entwicklung, Anlauf und Serie? Ab wann trägt sich das Vorhaben? |
| Rechtlich | Welche Normen, Zulassungen und Schutzrechte Dritter sind relevant? Gibt es regulatorische Hürden? |
| Organisatorisch | Sind Kompetenzen, Kapazitäten und Partner vorhanden? Wie passt das Vorhaben zur Strategie? |
Ablauf einer Machbarkeitsstudie
- Ziel und Entscheidung festlegenWelche Entscheidung soll die Studie stützen, bis wann, und wer entscheidet?
- Untersuchungsrahmen abgrenzenVarianten, Annahmen, Ausschlüsse und Bewertungskriterien festhalten.
- Informationen sammelnStand der Technik, Patente, Markt- und Wettbewerbsdaten, Lieferanten, Normen und interne Kennzahlen.
- Varianten bewertenJede Variante wird in den vier Dimensionen bewertet, Risiken werden benannt.
- Wirtschaftlichkeit rechnenInvestition, Kosten und Erlöse in mindestens zwei Szenarien gegenüberstellen.
- Empfehlung formulierenKlare Empfehlung mit Bedingungen, offenen Punkten und nächsten Schritten.
Vorlage: Gliederung einer Machbarkeitsstudie
Diese Gliederung kannst du als Vorlage übernehmen und an dein Vorhaben anpassen:
- Zusammenfassung: Ausgangslage, Empfehlung, wichtigste Bedingungen auf einer Seite
- Ausgangslage und Ziel: Anlass, zu treffende Entscheidung, Erfolgskriterien
- Untersuchungsrahmen: betrachtete Varianten, Annahmen, Ausschlüsse
- Technische Machbarkeit: Lösungskonzept, Reifegrad, Fertigungsverfahren, Lieferanten, Risiken
- Markt und Wettbewerb: Zielgruppe, Marktgröße, Wettbewerber, Preisniveau
- Rechtliche Rahmenbedingungen: Normen, Zulassungen, Schutzrechte, Regulierung
- Organisation und Ressourcen: Kompetenzen, Kapazitäten, Partner, Zeitplan
- Wirtschaftlichkeit: Investition, laufende Kosten, Erlöse, Szenarien, Amortisation
- Risiken: Risikoliste mit Eintrittswahrscheinlichkeit, Auswirkung und Gegenmaßnahme
- Empfehlung und nächste Schritte: Entscheidungsvorschlag, Bedingungen, Meilensteine
- Anhang: Quellen, Berechnungen, Gesprächsprotokolle
Machbarkeitsstudie in der Industrie
Bei technischen Innovationen hängt die Machbarkeit häufig an der Frage, ob sich ein funktionierender Prototyp wirtschaftlich in Serie fertigen lässt. Dafür betrachten wir Fertigungsverfahren, Werkzeuge, Lieferanten und Reifegrade. Mehr dazu im Artikel Vom Prototyp zur Serienfertigung und auf der Seite Industrialisierung von Innovationen.
Für eine erste, schnelle Einordnung einer Idee eignet sich der thinverAI Quick-Check mit Report in 2–5 Minuten. Er ersetzt keine Machbarkeitsstudie, hilft aber, die Fragen für die Studie zu schärfen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Machbarkeitsstudie und Businessplan?
Die Machbarkeitsstudie prüft, ob ein Vorhaben umsetzbar und sinnvoll ist. Der Businessplan beschreibt, wie ein beschlossenes Vorhaben umgesetzt und finanziert wird.
Wer erstellt eine Machbarkeitsstudie?
Interne Projektteams, oft ergänzt durch externe Fachleute für Technik, Markt oder Recht. Wichtig ist, dass jemand die Studie verantwortet, der nicht selbst an einem bestimmten Ergebnis hängt.
Wie lange dauert eine Machbarkeitsstudie?
Das hängt von Umfang, Zahl der Varianten und Verfügbarkeit der Informationen ab. Ein klar abgegrenzter Untersuchungsrahmen ist der wirksamste Hebel, um die Dauer zu begrenzen.